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7 Monate

Knaller
An einem schönen Samstagnachmittag saßen wir mit Freunden und deren Hund gemütlich auf unserer Terrasse.
Im Nachbargarten wurde lustig gefeiert, doch plötzlich ertönte von dort ein durchdringender Knall! Irgendjemand war auf die Idee gekommen, eine Signalpistole auszuprobieren.
Wir Menschen waren total erschrocken und der Besucherhund bellte. Als die Pistole zum zweiten Mal losging, regten wir uns entsprechend auf.
Der Nachbar entschuldigte sich sehr für seine Gedankenlosigkeit, aber Kicki hatte unsere Reaktion wahrgenommen.
 
    
Wir alle - einschließlich Besucherhund hatten ihr gezeigt: Knallen ist gefährlich!
Ein paar Tage später, zu Besuch bei meinem Vater hörte man das Krachen des Schützenfestes in der Ferne, und Kicki versuchte schon sich zu verkriechen.
Hier in der Gegend wird öfter geschossen, es wäre wirklich schade, wenn Kicki dann immer in Panik geriete.
 

 
Also begannen wir ein Knalltraining.
Die Züchterin Petra empfahl mir Papiertüten, die ich mit Leberwurst bestrich, aufblies und zusammen-schlug. An den Vorbereitungen war Kicki noch sehr interessiert, als es dann aber krachte, flüchtete sie. Erst viel später siegte die Verfressenheit, sie näherte sich dem gefährlichen Ding, schnüffelte, stuppste ein paar mal mit der Pfote und zerfetzte es dann. Allerdings verließ sie von da an jedes Mal den Raum, und linste nur durch die Tür, wenn ich mit Papiertüten hantierte.
 
Im Forum der Hundezeitung wurde geraten in einer ähnlichen Situationen nicht aufgeregt, sondern mit Beschwichtigungssignalen zu reagieren. So eine Situation führten wir dann auch herbei. Mehrere Leute unterhielten sich im Wohnzimmer, während mein Bruder sich im Garten mit einer Tüte übriggebliebener Sylversterknaller mittlerer Lautstärke beschäftigte. Was auch geschah, wir aßen unbeeindruckt Kekse und unterhielten uns weiter. Kicki war verunsichert, aber sie ging tatsächlich in den Garten um nachzusehen. Nach einer Weile folgten wir ihr und unterhielten uns direkt neben den gezündeten Böllern. Kicki hielt eine Weile gut aus, dann verzog sie sich nach drinnen. Nach einer längeren Pause krachte mein Bruder draußen erneut. Jetzt verkroch Kicki sich nicht mehr, blieb aber sehr nahe bei uns.



Tage später entdeckte sie die Silvesterplastiktüte im Regal und knurrte sie tief und böse an. Geknallt hat es inzwischen schon öfter mal. Kicki zuckt und ist noch deutlich irritert, aber wir versuchen zu gähnen oder gar nicht zu reagieren. Es wird allmählich besser.

 

 
 

Hundeschule
Langweilig ist das - Schule.
Ja, es wurde getobt, aber viel zu kurz, nach wenigen Minuten bei Fuß sitzen könnte ich doch gut weitertoben.
Was soll das denn, Angucken? Mach ich doch sowieso, bloß nicht ständig.
Das Wichtigste erkenne ich anders, am Atem zum Beispiel, an winzigen Bewegungen, da muss ich doch nicht die ganze Zeit Augenkontakt halten. Man verpasst ja alles andere.
So was Langweiliges. Da muss ich wenigsten ein bisschen Bellen.
Na also, jetzt geht es ja doch los.
 

Wie, ich soll nicht zu den anderen? Bloß drumherumgehen? Zu den Geräten vielleicht? Auch nicht? Wozu geht man denn, wenn gar kein Ziel vorhanden ist?
Schon wieder Sitz, und Warten. Gähn, ist das öde!
Kicki begreift zwar manchmal recht schnell, was von ihr erwartet wird, das heißt aber noch lange nicht, dass sie es auch gerne tut, schon gar nicht oft hintereinander.
 
Sie möchte lieber Geräterturnen, oder irgend ewas anderes mit Aktion. Die Bleibübung ist da eher nach ihrem Geschmack, das ist aufregend, da steigert sich die Spannung ins Extreme. Eigendlich sollen die Junghunde dabei noch festgehalten werden, Kicki kennt das Prinzip aber schon, sie bleibt liegen, während ich weggehe, mir die Jacke anziehe und weiterschlendere. Aber ruhig ist sie nicht, sie bellt die ganze Zeit. Beim Hier fegt sie los, über den ganzen Platz, weiter zu Willi, den sie gerade hinter dem Zaun entdeckt, und wieder zu mir...
 
 

 
Beim nächsten Mal mussten wir in die Ecke! Ich fürchtete schon, wir müssten nachsitzen, aber in der Ecke waren lauter Hunde, die die einfachen Übungen schon konnten. Kicki kann eigendlich gar nichts richtig, außer Bleib in Erwartung auf was Tolles.
In der Ecke wurden kleine Kunststücke angelegt, um die Hundehirne auszulasten. Peng (der Hund legt sich auf die Seite) dreh dich vor und neben dem Hundeführer, Slalom durch die Beine.
Peng zu sagen, finde ich nicht so toll. Es ist zwar nur ein Wort, aber Worte haben nun mal Bedeutungen. Ich frage lieber "Bist du müde?" Selbst das gehört noch in die Kategorie, menschliche Albernheiten auf Tiere zu übertragen. Vielleicht sollte ich einfach ganz unspektakulär sagen was ich möchte, z.B. "leg dich auf die Seite".

 
 
Verhalten
Von sich aus springt sie nur noch Hundebesitzer an. In diesem Fall verwechselt sie wohl ein bisschen die Art...
Falls allerdings ein netter Mensch sie lockt, (unwissend, das so etwas überhaupt nicht nötig wäre) bekommt er zum Lohne körperbetonte Sympatieversicherungen und vielleicht zur Krönung einen plötzlichen Nasenstüber. Willi nennt sie manchmal "Meisterin der schnellen Zunge".
 
Immer noch kann einiges unterwegs interessanter sein als ich. Hunde immer, Kinder immer, besonders wenn sie lachen oder Ball spielen, und Erwachsene, wenn sie auf Picknikdecken liegen oder verheißungsvolle Taschen schwenken.

Menschenansammlungen, die für andere Hunde schrecklich sein mögen, ziehen Kicki magisch an. Besonders hier im Dorf, wo sie die meisten Leute kennt. Sie braucht nur Rummsmusik zu hören schon will sie hin. Da ist was los, das wird geknuddelt und gestreichelt - da fällt doch bestimmt mal ein Grillwürstchen in den Dreck...
 
Auf Hunde geht sie mit deutlichen Freundlichkeitsbekundungen zu, owohl sie schon mehrmals von Hündinnen rüde (was für ein Paradoxum) zurückgewiesen wurde. So etwas akzeptiert sie zum Glück sofort, und verhält sich gleich deeskalierend ohne den Kontakt ganz abzubrechen.
Bei kleineren oder jüngeren Artgenossen legt sie sich zum Spielen hin, oder sie läuft betont langsam weg, damit der Zwerg sie auch sicher einholen kann.
 
 


 

 
Übungen
Als Notbremse hatte ich versucht Halt zu etablieren. "Nicht weitergehen" ist allerdings nur ein Unterlassungssignal, in präkären Situationen wäre eine Handlungsanweisung wahrscheinlich leichter zu befolgen.
Deshalb üben wir jetzt "Platz" auf Entfernung. Noch gebe ich das Signal nur, wenn ich mir 99% sicher bin, dass Kicki es auch befolgt, sei es weil sie gerade besonders aufmerksam ist, oder weil sie sich sowieso gerade hinlegen will.


Äußerlichkeiten
Weiterhin ist die Schulter niedriger als das Hinterteil. Die Wolle ist noch dichter geworden. Inzwischen muss ich nicht nur hinter den Ohren, sondern ab und zu auch die Fahnen an den Hinter- und Vorderläufen kämmen, damit sie nicht verfilzen. Das Geschirr tut Kickis Fell nun gar nich mehr gut. Unter Nylon verfilzt es und Leder rubbelt unter den Achseln.
Hmmm. Vielleicht sollten wir allmählich üben am rundgenähten Halsband zu gehen.
 


Da die Veränderungen in der Entwicklung nun nicht mehr so schnell auf einander folgen, soll es hier erst weiter gehen, wenn Kicki läufig wird. Es sei denn es gibt außerordendliche Ereignisse zwischendurch.
Die Läufigkeit kann, wie mir von Kickis Geschwistern berichtet wurde,
mit 8, 9, 10, 11, 12, 13 oder sogar erst mit 14 Monaten eintreffen.
Wir dürfen gespannt sein.
 

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