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8 Wochen
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Am
5. Januar 2003 holten wir unsere Kicki ab. Außer ihr
wartete nur noch eine Schwester auf ihre neue Familie, für
die Züchterin eine schwere Zeit.
Während uns die Schwester unbeschwert über die niedrige
Haustürtreppe entgegenhopste, musste Kicki gelockt werden,
die unbekannte Hürde zu nehmen. Nach einer Weile schaffte
sie es aber auch.
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Anstandslos
ließ sie sich ins Auto auf meinen Schoß setzen.
Nach der ersten Verwunderung, dass die Blechkiste sich bewegt
begann sie ein wenig zu jammern. Aber nach ein paar Minuten
ließ sie sich mit ihrem Glückskäfer ablenken,
der duftete vertraut nach Zuhause. Die unruhigen Minuten zu
Fahrtbeginn hat sie übrigens bis heute beibehalten.
Die meiste Zeit der vielen Kilometer schlief die Kleine. Sobald
sie aufwachte hielten wir an, ließen sie laufen und
aus dem schwappsicheren Autonapf trinken. Keine Übelkeit,
kein Weinen, kein Problem.
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Ankunft
Im neuen Zuhause angekommen hätte
sie eigentlich hungrig sein müssen.
Obwohl wir das gewohnte Futter anboten fand sie keine Muße
zu fressen. Ein paar Bissen schlang sie hinunter, dann wurden
die Zimmer erkundet.
Kicki tat das ohne jede Scheu, im Gegenteil, neugierig steckte
sie ihre
Nase in alle Ecken und
testete ausgiebig unsere Elfmeter- Wohnzimmer-Rennstrecke
mit Abschlusskurve um den Kachelofen.
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Ihre
Unbefangenheit freute uns sehr, schließlich werden fremde
Räume
in Zukunft zu ihrem Alltag gehören.
Wir
zeigten ihr ab und zu die Toilette draußen im Schnee,
was sie gerne annahm. Bei der Aufregung stellte sie allerdings
auch fest, dass Teppiche wunderbar saugfähig sind.
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Schlafplatz
Kicki schläft direkt neben unserem Bett. Da wir manchmal
in Hotels übernachten, hatten wir beschlossen, dass alle
Sitz- und Liegemöbel von Anfang an tabu sein sollen.
Zweimal mussten wir sie sanft hinunterschubsen, dann nahm
sie mit einer Hand vorlieb.
Das erwartete Weinen nach den Geschwistern blieb zum Glück
völlig aus.
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Stubenreinheit
1
Um 24.00 Uhr ließen wir Kicki das letzte Mal hinaus.
Sie weckte Willi um 3.00 um 5.00 und um 7.00 (der schläft
Richtung Tür und ist leichter erreichbar). Es ist kalt
draußen, zum Glück erledigte sie dort schnell was
sie musste und war durchaus bereit, gleich weiterzuschlafen.
Obwohl wir beide längst wach waren landete wieder eine
Pfütze auf dem Teppich im Wohnzimmer. Wir müssen
das Aufpassen wohl noch lernen.
In
den Schlafraum machte sie nie, das liegt sicher an der guten
Welpenstube, aber unser Haus ist riesig, die anderen Zimmer
können einem Welpen durchaus wie "draußen"
vorkommen.
Nach weiteren Unfällen hielten wir alle Räume geschlossen,
in die wir gerade nicht hineinsehen konnten. Von da an blieb
das Haus trocken :-)
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Schnappen und Kneifen
Wie viele Welpen biss Kicki gerne in Hände und Füße,
Hosenbeine, Ärmel, Bademäntel..., ja am liebsten
wollte sie, dass wir aufgeregt hin und herrennen, damit sie
uns gar lustig schnappen kann.
Das taten wir natürlich nicht, wir quiekten, wenn wir
ihre Zähne spürten, drehten uns um und kümmerten
uns nicht mehr um sie.
Manchmal gelang es aber nicht, die spitzen Milchzähne
zu ignorieren.
Offensichtlich gefiel dem kleinen Krokodil unsere Reaktion,
es packte sogleich bellend und knurrend noch fester zu, um
das theatralische Gequietsche erneut hervorzurufen.
Darum sind wir zu einem tiefen Knurren übergegangen.
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Wenn auch das nicht half, zum Beispiel beim Wischmopp, klappten
wir selber mit den Kiefern und fassten ihr als letztes Mittel
von oben über die Schnauze. Selbst dann wollte sie das
Schlusswort haben, ein Knurrer aus sicherer Entfernung war
allemal noch drin.
Als Drohung deuteten wir das jedoch nicht, der ganze kleine
Hundkörper zeigte Aufforderung zum Spiel. Wir gingen
aber erst wieder darauf ein, wenn Kicki ihre vehementen Forderungen
aufgegeben hatte.
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Kauen
Für
die meisten Hunde ist Kauen, Nagen und Zerlegen ein Hochgenuss.
Wir selber greifen zum Kaugummi oder zur Zigarette, der Hund
eben zum Schuh.
Welpen erfassen ihre Umwelt wohl oral. Wenn sie ein Kissen
auseinander nehmen, könnte man das stolz Forschergeist
nennen.
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Kicki hat eine Menge davon. Sie findet überall interessante
Dinge und trägt sie gerne mit sich herum. Das Tragen
mochten wir ihr nicht verleiden, das kann sicher noch nützlich
sein. Wir verhandelten lieber und gaben für den verbotenen
Gegenstand einen erlaubten, den sie triumphierend auf ihr
Lager brachte.
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Unsere
Korbmöbel sehen tatsächlich noch einigermaßen
manierlich aus. Wahrscheinlich haben wir so viele, dass Kicki
sich noch nicht entscheiden konnte, mit welchem sie beginnen
soll Wenn sie probierte, daran zu nagen, knurrten wir manchmal
"Nein" und lockten mit Ersatz.
Im Gegensatz zu den Möbeln waren wir bei Kabeln immer
konsequent und siehe da - es funktionierte.
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Spaziergänge
Der Welpe sollte nur so viele Minuten spazieren gehen, wie
er Wochen alt ist. Zwei mal am Tag um den Dorfweiher zu flanieren
reichte schon aus, dazu kamen natürlich Spiele im Haus
und im Garten. Anderseits wollten wir die Zeit nutzen, dass
Kicki von Anfang an so viel wie möglich kennenlernt.
Der este größere Ausflug führte uns mit dem
Auto nach Ratzeburg zum Fressnapf um ihr ein Geschirr anzupassen.
Der Verkehr und das Gewimmel in der Stadt waren sehr aufregend,
Kicki setzte sich alle paar Meter hin um die Eindrücke
zu verdauen. Natürlich hatten wir es nicht eilig und
ließen ihr die Zeit, die sie brauchte.
Uns fiel auf, wieviel Müll überall herum liegt,
Scherben, leere Dosen, halbe Hamburger, Taschentücher...
Kicki fand alles zum Anbeißen :-(
Es blieb nichts übrig als ihr jedesmal mit einem Verbot
den Unrat aus dem Maul zu nehmen. Bald wird sie glauben ihr
Name wäre "Aus".
Zur Welpenspielstunde trauen wir uns vor der 2. Impfung noch
nicht, aber den geduldigen Berner meines Bruders durfte Kicki
schon kennenlernen.
Sie näherte sich hocherfreut mit deutlichen Beschwichtigungssignalen
und verharrte reglos als Balu sie beschnupperte. Doch kaum
hatte er seine freundlichen Absichten zu erkennen gegeben,
gab es für sie kein Halten mehr. Sie tobte bellend um
ihn herum, verfolgte ihn, schnappte nach seiner Rute und hatte
einige Male schwarzes Fell im Maul.
Balu war viel schneller, aber Kicki zeigte eine solche Ausdauer,
dass die Geduld des sanften Riesen allmählich nachließ.
Bei seinem Knurren sprang sie nur ein kleines Stück zur
Seite, knurrte auffordernd zurück und atackierte von
Neuem.
Bei dieser Begegnung wurde sie müde, bevor der Rüde
sich entschloss, deutlicher zu werden. Beide pennten während
eines langen Abendessens vorbildlich brav unterm Tisch.
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Alleine
bleiben
Für einen Welpen in diesem Alter würde es wohl den
Tod bedeuten, sollte er sein Rudel verlieren. Auch Kicki folgte
uns auf Schritt und Tritt.
Trotzdem musste sie täglich ganz kurz warten, wenn einer
von uns die Treppe hoch ins Badezimmer ging. Ihr Bellen beachteten
wir nicht, wir versuchten, genau dann wieder aufzutauchen,
wenn sie gerade aufgehört hatte.
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Wenn
sie kurz vor dem Einschlafen war, konnten wir das Zimmer verlassen
und am Ende der Woche sogar die Tür schließen,
ohne dass sie protestierte.
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Übungen
Ich benannte vor allem das, was sie gerade tat, z.B. "Bring"
wenn sie mit einer Beute zu mir auf den Teppich wollte, oder
"Wo ist der Ball?" wenn sie ihm gerade nachlief.
Für "Sitz" führte ich ihr mit nach
oben ausgestrecktem Zeigefinger ein Leckerli über den
Kopf bis sie sich eben setzte. Das Handzeichen funktionierte
in wenigen Tagen, das Wort verknüpfte sie noch nicht.
Ich hatte den Fehler gemacht, es gleichzeitig zu sprechen.
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Dabei
müsste ich als Theaterfrau doch wissen, dass Geste und
Wort sich gegenseitig aufheben können, wenn man sie nicht
voneinander absetzt.
Für "Down" deckte ich das Leckerli mit
meiner Hand zu und klopfte auf den Boden. Kickis down wirkte
dadurch etwas plötzlich, es sah eher aus als hätte
ich gemeint "Fang die Hand".
Das
wichtigste Signal ist natürlich "Hier".
Zu Anfang war der Folgetrieb sehr ausgeprägt. Kicki kam
angesaust, wenn wir uns bloß fortbewegten. Richtig fröhlich
wurde das Kommen, wenn wir uns in die Hocke begaben, klatschten
oder rückwärts gingen. Klar, dass wir sie jedesmal
begeistert lobten.
Draußen sah die Sache schon anders aus, denn noch musste
Kicki jeden Menschen begrüßen. Wenn ein Passant
vorbeieilte, galt nur noch - hinterher!
Sie war klein, süß, hatte wuschelweiches Fell und
die Passanten knuddelten sie begeistert. Vorerst ärgerte
sich niemand darüber.
Kicki sollte die verschiedensten Menschen ja positiv erleben,
deshalb mochten wir ihre Kontaktfreude noch nicht unterbinden.
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