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GLAUBE - ABERGLAUBE

Magie war streng untersagt. Auch der Glaube an Zauberer und Hexen war verboten. So bestimmte Karl der Große im "Capitulare de partibus Saxoniae" (781-785):
"Glaubt einer vom Teufel verführt nach Art der Heiden, ein Mann oder eine Frau seien Zauberer oder Hexe und äßen Menschen, und er verbrennt sie deswegen und gibt ihr Fleisch jemandem zu essen oder ißt es selber, so soll er an Haupt und Leben bestraft werden."

Die Menschen empfanden sich trotz Christianisierung umgeben von höheren Kräften, die man zum Guten oder zum Bösen beeinflussen konnte, indem man die richtigen Rituale ausführte.
Im Verhalten der Tiere wurden Omen gesehen, oder ein Kundiger begab sich an einen geweihten Ort um direkte Zwiesprache mit den Geistern zu führen. Schnallen und Fibeln versah man mit magischen Zeichen, und gerne band man sich glückbringende Kräuter um die Glieder.
Abwehrzauber, Talismane und Amulette schienen für Tote wie Lebende gleichermaßen wirkungsvoll. Ein bekanntes Beispiel ist der kunstvolle Talisman, den Karl der Große um den Hals trug. .

Tierwirbelsymbol            



In der mündlichen Gesellschaft musste alles Geschriebene geheimnisvoll erscheinen, und so ging selbst die heilige Schrift in die Liste der magischen Mittel ein. Z. B. galten die Worte, die ein Kind aufs Geratewohl in der Bibel aufschlug, als verbindliche Prophezeihung. Sogar in Kirchenkreisen wurden lateinische Beschwörungsformeln aufgesagt oder magische Quadrate mit Buchstaben- und Zahlenreihen aufgezeichnet um Krankheiten zu vertreiben.
Eine Reihe von christlich beeinflussten Zaubersprüchen ist überliefert, die einzigen vorchristlichen Zeugnisse in althochdeutscher Sprache, stammen aus 9./10. Jahrhundert und wurden nach ihrem Fundort Merseburger Zaubersprüche genannt.

Der 1. Merseburger Zauberspruch, ein Lösesegen, beschreibt, wie eine Anzahl Idisen (evtl. Jungfrauen) auf dem Schlachtfeld gefangene Krieger befreit. Die letzte Zeile sollte wohl auf magische Weise auch in Wirklichkeit den fernen Gefangenen zur Flucht verhelfen.

Eiris sâzun idisi, sâzun hêra duoder.
suma hapt heptidun, suma heri lezidun,
suma clûbôdun umbi cuoniouuidi:
insprinc haptbandum, inuar uîgandun!
Einst setzten sich Idisen, setzten sich hierher.
Manche hefteten Haft, manche hemmten das Heer,
einige zerrten an den Fesseln:
Entspring den Haftbanden, entfahr den Feinden!


Der Umgang mit okkulten Mächten versiegte durch die Missionierung keineswegs, man glaubte an Schadenszauber, an die Wirkung von Segen oder Flüchen und ließ die neuen christlichen Formeln in die Tradition mit einfließen. Wer am 1. des Monats magische Pflanzen zur Herstellung eines geheimen Trankes sammelte, murmelte nun vielleicht ein Vaterunser dabei.
Besonders viele Hinweise haben wir auf Methoden, die zur Beeinflussung der Liebe angewendet wurden, galt es nun einen Menschen impotent zu machen oder sein Begehren anzufachen.

Wollte eine Frau verhindern, dass ihr Mann sich eine Geliebte nahm, führte sie sich einen lebenden Fisch in die Vagina ein und ließ ihn dort stecken bis er starb. Zubereitet war dieses eine Mahlzeit für den Mann, deren liebesfördenden Einfluss er sich nicht entziehen konnte.
Die Möglichkeiten, die das Gegenteil bewirken sollten, bleiben an dieser Stelle lieber unausgeführt.

Bis ins 10. Jahrhundert hinein beschwerten sich die Bischöfe wiederholt über das Weiterleben heidnischer Gebräuche. Man findet Belege in den Bußbüchern, und Burchard von Worms beschreibt einige der Praktiken auf besonders anschauliche Weise. Das Wasserritual, welches im Roman verwendet wird, geht auf seine Klage zurück.